Ein Sommer in Kairo ohne Strom

Kairo. Der aegyptische Sommer steht vor der Tuer. Waehrend in vergangenen Jahren fuer die wohlhabenderen Teile der Bevoelkerung die Frage nach dem richtigen Urlaubsort am Mittelmeer im Mittelpunkt der abendlichen Gespraeche stand, plagen die Kairiner diesen Fruehling ganz andere Sorgen. Fast taeglich faellt hier der Strom aus und die aegyptische Regierung hat angekuendigt, dass sich die Situation im Sommer noch weiter verschlechtern wird. In den tausenden Strassencafes der aegyptischen Hauptstadt ist die Aussicht auf dunkle Naechte nun Gegenstand hitziger Debatten.

Waehrend die Kohlen auf den Wasserpfeifen auch ohne Strom gluehen und die politischen Kaffeehausdebatten durch das allabendliche Erloeschen des Lichtes keinen Abbruch nehmen, steht mein Cousin nun vor ungeahnten Herausforderung. Als Kieferchirurg werden seine Operationen durch die Stromausfaelle massiv behindert. Sein Zahntechniker kann ihn nun schon seit ueber zwei Wochen nicht mehr mit den Implantanten beliefern, auf welche seine Patienten so dringend warten – fuer seine Arbeit ist eine konstante Stromversorgung von Noeten und auch der Zahnarztbohrer dreht sich nicht ohne Strom.

Verantwortungsbewusst fuer das Wohl seiner oftmals von Schmerzen geplagten Patienten hat mein Cousin sich bereits vor mehreren Monaten einen eigenen Hauseigenen Stromagregator besorgt, um den reibungsfreien Ablauf so mancher Kieferoperation auch in dunklen Stunden gewaehrleisten zu koennen. Wer nun denkt, das Problem sei damit geloest liegt voellig falsch. In Aegypten herrscht seit einigen Monaten auch ein Treibstoffengpass und deshalb muss der Tank des Agregators oft leer bleiben und die von Schmerzen geplagten Patienten mit offenem Kiefer in der Dunkelheit auf die Rasche Behebung des Problems durch die Strombehoerde hoffen.

So manch ein am Operationstisch liegender Muslimbruder beginnt nun die eigene islamistische Regierung zu verfluchen. Die Regierung unterzeichnet in der Zwischenzeit fleissig Vertraege ueber den Import von chinesischen Stromaggregaten. Die Frage ob sich durch die Energieengpaesse jemand am taeglichen Leid der AegypterInnen bereichert wird in den Cafes immer lauter diskutiert und die Umfragewerte des Praesidenten sind auf einem Rekordtief. Die Aussicht auf einen Sommer ohne Strom wird die ohnehin schon polarisierte Stimmung im Land nicht unbedingt verbessern. Bis zu den Parlamentswahlen, welche inshah’allah im Herbst heisst es also fuer so manchen ehemaligen Mursi-Befuerworter Zaehne zusammen beissen und beten.

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